Die steilsten Weinlagen in Deutschland befinden sich in Baden Württemberg

In den Weinbauregionen Badens und Württembergs liegen einige der steilsten Weinberge Deutschlands. Bei Neigungen von bis zu 75 Grad bieten sie spektakuläre Ausblicke und prägen mit ihren Terrassen und Trockenmauern den Weinsüden. Auch für weininteressierte Reisende entstehen immer mehr Angebote, die den Steillagenweinbau mit seinen landschaftlichen und weinbaulichen Besonderheiten erlebbar machen. Aus diesem Grund stand an diesem Montag bei der Verleihung der Weintourismus-Preise Baden-Württemberg in der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg das Thema Steillagen im Mittelpunkt. In diesem Jahr gingen die Auszeichnungen, die von der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg (TMBW) gemeinsam mit dem Badischen Weinbauverband und dem Weinbauverband Württemberg vergeben werden, an ausgewählte Projekte, die sich für den Erhalt und die Vermittlung des Steillagenweinbaus einsetzen.

Weinbau prägt das Landschaftsbild

„Ohne unsere Weinberge lassen sich viele Landschaften zwischen Taubertal und Kaiserstuhl heute nicht mehr vorstellen. Seit Jahrhunderten prägt der Weinbau Landschaftsbild und Lebensgefühl. Das gilt ganz besonders dort, wo Winzer und Weingärtner ihre Reben in Steillagen bewirtschaften und mit viel Einsatz und Handarbeit diese Kulturlandschaften pflegen und erhalten“, sagte in Heilbronn der auch für den Tourismus zuständige Minister der Justiz und für Europa Guido Wolf. Den topographischen Besonderheiten im Süden sei es zu verdanken, dass schon im Mittelalter die Steilhänge für den Weinbau genutzt wurden. Diese alte Tradition werde bis heute fortgeführt. „Darüber hinaus engagieren sich viele Akteure im Weinbau inzwischen auch in der Vermittlung und entwickeln eigene touristische Angebote in ihren Steillagen. Diesen Projekten gelingt es, besondere Weinerlebnisse zu schaffen und gleichzeitig Urlauber und Einheimische für das Thema zu sensibilisieren. Mit den Weintourismus-Preisen Baden-Württemberg möchten wir dieses Engagement würdigen“, so Wolf weiter.

Wie steil es im Weinbau zugehen kann, verdeutlichte Kilian Schneider, Präsident des Badischen Weinbauverbands, am Beispiel des Engelsfelsens in Bühlertal: „An den Hängen des Nordschwarzwaldes wachsen hier Reben in extremer Steillage. Mit einer Neigung von 75 Grad gilt der Engelsfelsen sogar als steilste Weinlage in Europa. Bei einer Wanderung über den Rebhang lässt sich gut nachvollziehen, welche Herausforderungen die Lage mit sich bringt.“

Auch in Württemberg streben viele Weinberge steil nach oben: „Ob im Remstal, am Neckar oder an der Enz – vor allem in unseren Flusstälern reiht sich eine bekannte Steillage an die andere. Wer zum Beispiel mit dem Fahrrad am Neckar entlang fährt, kann sich dieser ganz besonderen Weinlandschaft kaum entziehen. Vom Cannstatter ‚Zuckerle‘ bis zu den Hessigheimer Felsengärten gibt es hier auf engstem Raum eine Vielzahl an Weinbergterrassen mit Millionen von verbauten Sandsteinen. Eine unvergleichliche Kulturlandschaft – quasi die Württemberger Variante der Chinesischen Mauer“, schwärmt Hermann Hohl, Präsident des Weinbauverbands Württemberg.

Dass Steillagen nicht nur landschaftsprägend sind, sondern auch besonders qualitätvolle Weine hervorbringen, stellten die beiden Weinköniginnen aus Baden und Württemberg unter Beweis. Franziska Aatz (Baden) und Andrea Ritz (Württemberg) verkosteten Steillagenweine aus dem jeweils anderen Weinbaugebiet und vermittelten dabei einen Eindruck von der Vielfalt der Steillagen im Weinsüden.

 

Weintourismus-Preis würdigt in diesem Jahr besonders Steillagen

Auf die ständig wachsende Bedeutung des Weinbaus für das Urlaubsland Baden-Württemberg verwies im Anschluss auch TMBW-Geschäftsführer Andreas Braun: „Gemeinsam mit den Verantwortlichen in Baden und Württemberg haben wir in den letzten Jahren viele Ideen und Konzepte auf den Weg gebracht, um den Weintourismus im Land zu fördern und weiterzuentwickeln. Eines davon ist der Weintourismus-Preis, der bereits seit 2012 jedes Jahr vergeben wird und in diesem Jahr besondere Steillagenprojekte würdigt.“ Braun lobte die Preisträger in seiner Laudatio als nachahmenswerte Beispiele, die das Thema Steillagenweinbau auf vorbildhafte Weise für den Tourismus aufarbeiten und damit das touristische Angebot im Land insgesamt bereichern.

Mit einem der Preise wurden der „Esslinger Weinerlebnisweg“ und der „Esslinger Weinwandertag“ ausgezeichnet, die auf Initiativen der Weingärtner Esslingen und des Staffelsteiger-Vereins zurückgehen. Der Weinerlebnisweg führt seine Besucher seit 2016 durch die einmalige Kulturlandschaft und die ortsbildprägenden Steillagen der Stadt. Er bietet nicht nur atemberaubende Ausblicke auf die mittelalterliche Altstadt, sondern informiert an 20 Stationen über die Geschichte der Terrassenweinberge und über die Arbeit im Weinberg. Ein jährlicher Höhepunkt ist der Esslinger Weinwandertag, der sich in mehr als drei Jahrzehnten zu einem Publikumsmagneten entwickelt hat und das Thema Steillagen einer breiten Öffentlichkeit bekannt macht. Besonders begeistert war die Jury außerdem von speziellen Angeboten für Familien, die ganzjährig genutzt werden können. www.weingaertner-esslingen.dehttp://staffelsteiger-verein.de

Ein weiterer Preis ging an den kulinarischen Spaziergang „Biodiversität im Satzenberg“, den das Weingut Alte Grafschaft in Kreuzwertheim eigens für Gruppen entwickelt hat. Unter fachkundiger Anleitung wandern die Teilnehmer der Tour über die steilen Treppen und Terrassen des Satzenbergs im badischen Taubertal. An verschiedenen Stationen erfahren sie dort mehr über die Arbeitsschritte im von Hand bewirtschafteten Weinberg sowie über Aspekte der Nachhaltigkeit und Biodiversität. Mitten im Weinberg können alle dort angebauten Sekte und Weine verkostet werden; und am Ende der Tour warten im Weinberghäuschen ausgewählte Grillspezialitäten. Die Jury war von der Verbindung aus Weingenuss und anspruchsvollen Hintergrundinformationen überzeugt und lobte das persönliche Engagement des Weinguts für Erhaltung und Förderung der Steillagen. www.altegrafschaft.de

Neben den beiden Preisen wurde in Heilbronn auch ein Anerkennungspreis an die Umweltakademie Baden-Württemberg für ihr Projekt „Lebendiger Weinberg“ verliehen. Seit mehr als 20 Jahren setzt sich die Umweltakademie dafür ein, den Weinbau umweltverträglich zu gestalten. Zu den vielerlei Aktivitäten des Projekts gehören etwa die Pflanzung verschiedener vom Aussterben bedrohter Arten in privaten und öffentlichen Weinbergen, außerdem Seminare und Kurse sowie eine umfangreiche Informationsarbeit. Mit ihren vielfältigen Initiativen leiste die Umweltakademie einen unschätzbaren Beitrag zum Erhalt der touristisch attraktiven und landschaftsprägenden Steillagen in Baden-Württemberg, so Braun abschließend.

Trollinger und Maultaschen in der Besenwirtschaft

Straußenwirtschaft, Besen, Kranzwirtschaft oder Hecken: Die Namen variieren je nach Region, doch gemeint ist immer das Gleiche. Ein saisonal geöffneter Gastbetrieb, in dem Weine aus eigener Erzeugung und einfache Speisen angeboten werden.

Im Weinländle rund um Heilbronn heißen die traditionellen Gaststuben „Besenwirtschaft“

Der Name geht auf einen Erlass Karls des Großen zurück. Dieser erlaubte den Bauern, selbst angebauten Wein im eigenen Haus auszuschenken. Zur Kennzeichnung sollten die Wengerter einen Kranz aus Tannenreisig oder Stroh am Haus befestigen. Die Tradition ist bis heute geblieben, allerdings wurde aus dem Kranz der Besen.

Besonders bekannt für ihre Besenvielfalt ist das Schwabenländle. So kann man sich etwa im HeilbronnerLand auf eine weinselige Reise machen, die schöne Landschaft auf Ausflügen entdecken und in den Besenwirtschaften gemütlich ein Viertele schlotzen. Mehr Informationen gibt es unter www.HeilbronnerLand.de/Wein. Ob auf Tagestouren entlang des Württemberger Weinradwegs und des Württembergischen Weinwanderwegs
oder auf anderen Streifzügen: Die Besen sind eigentlich an jedem Rad- und Wanderweg im HeilbronnerLand zu finden, von traditionell urig – etwa in einer Scheune oder einem ehemaligen Kuhstall – bis modern interpretiert mit Designerarchitektur, viel Glas und Ausblicken auf die Weinberge. Doch immer unter dem Motto „Fremde werden schnell zu Freunden“. Zum Speiseangebot gehören regionale Spezialitäten wie die schwäbischen Maultaschen, dabei handelt es sich um gefüllte Nudelteigtaschen. Entstanden sein soll das Gericht einer Legende nach bei den Zisterziensermönchen des Klosters Maulbronn, um in der Fastenzeit das Fleisch vor dem lieben Herrgott zu verstecken. So bekam die Spezialität auch ihren Beinamen „Herrgottsbescheißerle“.

Wengerter-Feeling: Übernachten im Weinfass

Wer möchte, kann nach dem Weingenuss bei Winzern übernachten, das Angebot an Gästebetten oder auch Wohnmobilstellplätzen ist groß. Echtes Wengerter Feeling kommt beim Übernachten im Holzfass auf. Die gemütlichen Schlaffässer stehen zum Teil direkt in den Weinbergen, unter anderem sind sie auf dem Fünf-Sterne-Campingplatz am Breitenauer See zu finden.

Ein Stern für den Schwarzwald

Ein Aufsteiger, keine Absteiger: Der renommierte Gastronomieführer Guide Michelin vergab für 2017 einen neuen Stern für Restaurants im Schwarzwald: Neu aufgenommen ist die „Alte Post“ in Nagold. Damit hat der Schwarzwald seinen Ruf als „Deutschlands schönste Genießerecke“ einmal mehr untermauert: Insgesamt leuchten 38 Michelin-Sterne über 29 Restaurants.
Unverändert ist Baiersbronn im nördlichen Schwarzwald das Mekka der Feinschmecker im Schwarzwald: Claus-Peter Lumpps Restaurant „Bareiss“ und Harald Wohlfahrts „Schwarzwaldstube“ dürfen auch 2017 drei Michelin-Sterne führen. Spitzenkoch Wohlfahrt wurde bereits zum 25. Mal in Folge mit den begehrten drei Sternen dekoriert. Zum hochdekorierten Baiersbronner Trio gehört zudem Jörg Sackmann, dessen Restaurant „Schlossberg“ mit zwei Sternen ausgezeichnet ist.

Auch im Gastronomieführer Gault Millau glänzen 2017 wieder viele Schwarzwälder Restaurants. Als „Patissier des Jahres“ ehrt der Guide den Dessertkünstler Stefan Leitner vom Restaurant „Bareiss“ in Baiersbronn, „weil seine Kreationen wahre Festspiele der süßen Lust sind, stets sinnenfroh, hochästhetisch und oft so ideenreich, dass der schlaraffenwürdige Reigen über mehrere Teller tanzt“.

Besondere Erwähnung finden im Gault Millau auch große Talente der modernen Küche: Zu den sieben ausgezeichneten Jungköchen gehört Nicolai Wiedmer vom „Eckert“ in Grenzach-Wyhlen an der Schweizer Grenze. „Er ist erst 23 Jahre alt, aber er kochte das Haus auf Anhieb zu einer der spannendsten Adressen der Region. Wiedmer beeindruckt mit Liebe zum Detail sowie großer Texturen- und Aromenvielfalt, wenn er beliebte Klassiker mit einem Schuss Exotik liftet“, lobt der Guide.

Damit aber noch nicht genug der Auszeichnungen für die Gastronomie im Schwarzwald: Der „Schlemmer Atlas“ ehrt Douce Steiner vom „Hirschen“ in Sulzburg als „Köchin des Jahres“ und zeichnet Europa-Park-Inhaber Roland Mack als „Gastronom des Jahres“ aus.

Insgesamt sind in den fünf Gastroführern Guide Michelin, Gault Millau, Feinschmecker, Varta-Führer und Schlemmer-Atlas mehr als 315 Restaurants in der Ferienregion Schwarzwald ausgezeichnet.

Die besten Trollinger Deutschlands

Der Verein Württemberger Weingärtner zeichnet in regelmäßigen Abständen die besten Trollinger Deutschlands aus. Insgesamt wurden 2016 ca. 100 Weine verkostet, berwertet und teilweise ausgezeichnet. 
In der Kategorie „Trollinger Original“ lagen die Winzer vom Weinberger Tal ganz vorne. Auf den Plätzen zwei und drei folgten die Weingärtner Stromberg-Zabergäu und die Weinkellerei Hohenlohe. In der Kategorie „Trollinger Individualist“ gewann Christian Hirsch aus Leingarten, gefolgt vom Weinkonvent Dürrenzimmern und dem Heilbronner Weingut Drautz-Able. Auch die Kategorie „Weißherbst und Rosé“ wurde ausgerufen und bewertet. Gewinner ist das Weingut Martin Notz aus Hohenhaslach. Platz zwei und drei sicherten sich die Weingärtner Stromberg-Zabergäu und das Weingut Sonnenhof aus Gündelbach.
Mit der Absicht, die stetig wachsende Qualität des Trollingers zu honorieren und nach außen zu tragen, hatten die Württemberger Weingüter bereits zum 19. Mal den Contest um den besten Trollinger veranstaltet. Die Rebe wächst in Württemberg an insgesamt rund neun Millionen Rebstöcken.

Spanischer Wein verdrängt Trollinger?

Auweia – schlimmer geht immer. Spanischer Wein verdrängt den Trollinger Wein? Der Presse war in den letzten Monaten zu entnehmen, dass unser beliebter Trollinger in Württemberg jetzt spanischen Rebsorten weichen soll.

Im Raum Mundelsheim haben schwäbische Weingärtner den Tempranillo auf ihren Steilhängen angebaut – früher war dort der Trollinger zu finden. Die Tempranillo Traube stammt aus Spanien, um genau zu sein aus dem Rioja im Norden Spaniens. Der Grund für den Wechsel ist, dass die steilen Weinberge mit Terrassen nur niedrigen Ertrag liefern. Der Aufwand, die Steilhänge zu bewirtschaften, ist aber enorm groß. Erschwerend kommt hinzu, dass die heimischen Weine wie Trollinger oder Lemberger nur niedrige Verkaufspreise erzielen. Anders sieht das mit den exotischeren Trauben wie Tempranillo oder beispielsweise dem Cabernet Franc aus, mit diesen Sorten lassen sich deutlich bessere Verkaufsergebnisse erzielen.

Die Fachleute des schwäbischen Weins sind nicht erfreut über die Entwicklung. Der bekannte und erfolgreiche Wengerter Klaus-Dieter Warth aus Stuttgart sagt dazu:

Ja, das ist ein spannendes Thema mit den neuen Rebsorten in Deutschland.
Prinzipiell sage ich, dass das Weinanbaugebiet ein Profil haben sollte, welches
eher geschärft als verwässert werden sollte.
Denken Sie mal daran, womit ein Deutscher die Begriffe „Bordeaux“, „Asti“
oder „Vihno Verde“ verbindet, um nur mal drei Beispiele zu nennen.
Ganz bestimmt nicht mit „Trollinger“, „geharztem Weißwein“ oder „süßem
Rotsekt“ als krasse Gegensätze.
Nun kann man über Trollinger denken wie man will. Trollinger ist
Württemberg und Württemberg ist Trollinger. Wer es schwerer will kann
auch Lemberger oder Spätburgunder bekommen. Leider von vielen Kellereien mit
keinem so tollen Ausbaustil.
Also gilt es doch Profile zu schaffen, und am Markt zu etablieren, damit der
Weinkenner weiß, was er gutes aus Württemberg bekommen kann.
Dann brauchen wir auch keinen Tempranillo, Merlot, Syrah, und was
wirklich gerade alles im Anbau zugelassen wurde.
Ich selber bin zudem noch ein Verfechter von pilzresistenten Neuzüchtungen,
da ich diese in der Weinbergbiologie als wegweisend betrachte. Aber auch die
tun sich schwer am Markt, da sie sehr erklärungsbedürftig sind.

Und Klaus-Dieter Warth zeigt, dass es tatsächlich auch anders geht. Neben vielen anderen Top-Weinen heimischer Rebsorten kommen vom  Weingut Warth auch Trollinger Weine allerbester Qualität, die Verkaufspreise von über 30 Euro erzielen – beispielsweise der im Barrique gereifte Trollinger Quercus vom Weingut Warth .

Sollte man diesem Beispiel nicht folgen und den heimischen Winzern dazu raten, aus den Traditionssorten erstmal qualitativ hochwertigere Weine zu machen anstatt auf spanische oder französische Sorten zu setzen und trotzdem nicht die Qualität der Weine wie im Heimatland der jeweiligen rebsorte zu erzeugen? Wir denken schon. Es bleibt zu hoffen, dass sich die schwäbischen Winzer wieder auf ihre Traditionen besinnen und sich auf die lokalen Weinsorten konzentrieren.

Schwäbisches Essen und Trollinger Wein – eine gute Kombination

Des Schwaben liebster Wein ist – na klar – der Trollinger. Des Schwaben liebstes Essen? Vielleicht Maultaschen? Ein gutes Vesper? Linsen und Spätzle? Saure Kutteln? Kässpätzle? Zwiebelrostbraten? Passt der Trollinger dazu?

Lange Zeit musste Rotwein tiefdunkel, schwer und konzentriert sein. Idealerweise ein Hammer, der schon mit dem ersten Schluck beeindruckt. Doch dieser Rotweinstil hat auch eine Nachteile. Ein kräftig schwerer Wein bekommt nicht immer und passt vor allem nicht zu jedem Essen. Als unkomplizierter Schoppenwein oder Essensbegleiter tun sich die kräftigen Rotweine auch schwer. Zum Glück gibt es aber auch gute Alternativen. Zum Beispiel den Trollinger Wein. Der Trollinger ist in der Regel ein leichter Wein. Frisch und fruchtbetont. Und genau das macht ihn zum perfekten Begleiter von Maultaschen, Vesper und vielen weiteren schwäbischen Lieblingsgerichten. Die alte Weinweisheit „regional passt immer“ bestätigt sich auch hier: regionaler Wein zu regionalem Essen.

Der Trollinger ist der milde und süffige Wein der schwäbischen und badischen Schoppentrinker und Viertelesschlotzer. Er wird wahrscheinlich nicht die hohen Weihen der internationalen Weinpäpste erhalten, er wird auch niemals sehr weit außerhalb seiner württembergischen Heimat anzutreffen sein. Aber er harmoniert ganz hervorragend mit typisch schwäbischen Gerichten.

Obwohl der Trollinger eigentlich aus Südtirol kommt – da heißt er Vernatsch und im Württembergischen wurde daraus der Tirolinger und im Zeitverlauf dann, so nach dem ein oder anderen Viertele der Trollinger. Wohl bekomms!

Wein und Geschichten aus Baden Württemberg

Der Weinbau in Baden-Württemberg blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Es sind nicht nur die Weinberge, die in Baden und Württemberg die Kulturlandschaften und damit das Erscheinungsbild des Landes prägen. Zahlreiche Burgen, Klöster und Schlösser erzählen bis heute von der Bedeutung des Weins in Vergangenheit und Gegenwart.

Anlässlich der Verleihung der Weintourismus-Preise Baden-Württemberg trafen sich Anfang Juni im Schloss Bruchsal Akteure aus Weinbau und Tourismus und stellten Anekdoten und Kurioses aus der Weinbaugeschichte des Landes vor. In diesem Jahr gingen die Auszeichnungen, die von der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg (TMBW) gemeinsam mit dem Badischen Weinbauverband und dem Weinbauverband Württemberg vergeben werden, an das Offenburger Projekt „Genuss, Wein, Bewegung“ und an die „Weinerlebniswelt“ in Heilbronn.

„Weinbau und Tourismus gehen in Baden-Württemberg eine ganz besondere Verbindung ein. Wer sich zwischen Taubertal und Bodensee auf eine Spurensuche begibt, findet bei uns im Süden viele preisgekrönte Winzer und malerische Weinberge, die Landschaften und Lebensgefühl prägen. Das macht den Weinbau zu einem bedeutenden Standortfaktor für das Urlaubsland Baden-Württemberg“, sagte in Bruchsal der auch für den Tourismus zuständige Minister der Justiz und für Europa Guido Wolf. Denn neben dem Genuss von Spitzenweinen würden die Weinbauregionen in Baden und Württemberg ihren Gästen aus aller Welt auch spannende Einblicke in die hiesige Weingeschichte ermöglichen: „Vielerorts ist die Geschichte des Weinbaus besonders in den Kulturdenkmälern des Landes sichtbar und lebendig geblieben. Neben den Klöstern sind es in späteren Jahrhunderten auch Burgen und Schlösser, die eng mit dem Weinbau verknüpft waren.“ Beispiele wie Schloss Bruchsal, in dessen Ausstattung der Wein als Grundlage des Wohlstands gefeiert werde, gebe es zahlreiche im Land. „In diesen Monumenten steckt großes Potenzial für den Weintourismus in Baden-Württemberg, das künftig noch stärker genutzt werden soll“, so Minister Wolf weiter.

Wenn es um Wein und Geschichte geht muss das nicht immer in Italien stattfinden. Wie spannend die Weinbaugeschichte in Baden-Württemberg für heutige Besucher geblieben ist, verdeutlichten auch die Vertreter der beiden Weinbauverbände. Kilian Schneider, Präsident des Badischen Weinbauverbands, verwies auf die Anfänge des Rebenanbaus auf der Klosterinsel Reichenau im Bodensee: „Ausgerechnet eine Insel gehört zu unseren ältesten belegten Anbauflächen. Das ist aber kein Wunder, denn schließlich wurde die Technik des Weinbaus im Mittelalter vor allem von Mönchen gepflegt. Auf der Reichenau lässt sich das bereits im Jahr 818 nachweisen. Und auch nach der Auflösung des Klosters setzte sich diese Tradition fort. Bis heute wird dort Inselwein kultiviert und noch immer im Keller des ehemaligen Benediktinerklosters ausgebaut.“

Hermann Hohl, Präsident des Weinbauverbands Württemberg, erinnerte daran, dass auch so manche Burg zu einem Ausflug in die Weingeschichte einlädt: „An Neckar oder Rems wachsen nicht nur einige unserer besten Weine. Hoch über den Flusstälern thronen dort auch eindrucksvolle Burgen, umgeben von Weinbergen und Weingeschichten. Legendär ist das Weingut auf Burg Hornberg im Neckartal. Es ist das älteste noch bestehende Weingut im Land, erstmals erwähnt 1184. Berühmt ist vor allem ein früherer Burgherr: Götz von Berlichingen, dem Goethe mit seinem Drama ein Denkmal setzte, baute hier mehr als vier Jahrzehnte lang Wein an.“

Weintourismus-Preise Baden-Württemberg 2016

Von der glanzvollen Geschichte des Weinbaus leitete TMBW-Geschäftsführer Andreas Braun in die Gegenwart des Weintourismus über: „Es ist beeindruckend, welche Entwicklung der Wein als touristisches Thema in den letzten Jahren genommen hat. Natürlich gehört der Genuss eines guten Tropfens für viele unserer Gäste zu einem Urlaub in Baden oder Württemberg dazu. Weintourismus bedeutet inzwischen aber weitaus mehr. Von Weinrouten über Vinotheken bis zu Kulturveranstaltungen ist ein vielfältiges Angebot entstanden, das außergewöhnliche Weinerlebnisse in den Mittelpunkt stellt.“

Um entsprechende Projekte und Angebote zu fördern und den Stellenwert des Weintourismus zu würdigen, habe die TMBW gemeinsam mit den beiden Weinbauverbänden den Weintourismus-Preis Baden-Württemberg ins Leben gerufen. Braun lobte die diesjährigen Preisträger in seiner Laudatio als nachahmenswerte Beispiele, die das Thema Weinbau auf vorbildhafte Weise für den Tourismus aufarbeiteten und damit das touristische Angebot im Land bereicherten.

In ihrem Gesamtkonzept „Genuss, Wein, Bewegung“ habe die Stadt Offenburg Weingenuss und Stadterlebnis auf vorbildliche Weise zusammengeführt. Bei regelmäßigen Weinstadtführungen, Weinspaziergängen und an einem Weinwandertag können Gäste die Stadt und ihre Weine kennenlernen. Abseits der klassischen Sehenswürdigkeiten führen die Touren durch Weinberge und zu Winzern in und um Offenburg. An mehreren Stationen erzählen Weinexperten Wissenswertes über die Weine und die Weinbaugeschichte der Stadt, Weinbaubetriebe bieten ihre Weine zur Verkostung an. Das weintouristische Konzept der Stadt Offenburg habe die Jury überzeugt, weil es Weinerlebnisse in hoher Kontinuität ermögliche. Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und örtlichen Produzenten diene als nachahmenswertes Beispiel auch für andere Weinbaugemeinden. www.offenburg.de

Mit der ebenfalls ausgezeichneten „Weinerlebniswelt“ in Heilbronn habe die dortige Genossenschaftskellerei Neuland betreten und sich erfolgreich für den Weintourismus geöffnet. Die größte Weingärtnergenossenschaft Baden-Württembergs bietet in ihrem 2015 neu eröffneten Besucherzentrum eine Vielfalt an weintouristischen Angeboten. Von Führungen in den Weinbergen über einen modernen Weinverkauf bis zu einem Open-Air-Kino reichen die Weinerlebnisse, ergänzt um ein überzeugendes gastronomisches Konzept. Der mutige Schritt vom reinen Produzenten zum touristischen Anbieter sei mustergültig umgesetzt worden und damit auch vorbildhaft für andere Winzer- und Weingärtnergenossenschaften. www.wg-heilbronn.de

Neben den beiden Gewinnern wurden in diesem Jahr auch Anerkennungspreise an zwei ungewöhnliche und nachahmenswerte Projekte verliehen: der Klosterverwaltung Maulbronn gemeinsam mit der Stadt Maulbronn für das Projekt „Wein im Kloster“ sowie verschiedenen Projektträgern gemeinsam mit dem Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord für den „Engelssteig in Bühlertal“.

Trollinger 2.0 ruft auf zur Teilnahme am „Württemberger WG Contest“

Die junge Initiative der Württemberger Weingärtnergenossenschaften, Trollinger 2.0 ruft auf zur Teilnahme am ersten „Württemberger WG Contest“. Nach den Erfolgen des Trollinger Song Contest und des Trollinger Dance Contest in den Vorjahren wird dieses Jahr die Wohngemeinschaft mit der kreativsten Weinkultur im Land gesucht.

Drei bis sechs Bewohner ab 18 Jahren sollen in der WG wohnen, die Bewerbung erfolgt mit einem maximal zweiminütigen Videoclip. In diesem stellen die Bewohner der WG sich und ihren Bezug zum Wein vor, ein Online- Voting und eine Jury mit Experten aus den Bereichen Wein und Journalismus bestimmen dann die Sieger-WG. Diese „Württemberger WG“ erhält in der Folge für ein halbes Jahr ihre Miete bezahlt – bis maximal 1.500 Euro monatlich. Im Gegenzug verpflichtet sich die „Württemberger WG“ dazu, monatlich zwei mit Wein zusammenhängende Unternehmungen durchzuführen und auf Video festzuhalten. Dieses wird im Blog auf der Webseite von Trollinger 2.0 veröffentlicht. Als Beispiele nennt der Veranstalter den Besuch eines Weinfestes, das Abhalten einer Weinprobe in der WG oder den Besuch von Sehenswürdigkeiten in der Weinheimat Württemberg. Dazu kommen wöchentlich zwei bis drei Postings aus dem Leben der WG. Start der Aktion ist Dienstag, der 19. April, Einsendeschluss für das Bewerbungsvideo ist Mittwoch, der 15. Juni. Ab Juli startet dann die halbjährige Aktionsphase. Weitere Informationen und die Teilnahmebedingungen gibt es unter www.wuerttembergerWG.de

Teilnehmen am Württemberger WG Contest kann jede Wohngemeinschaft mit mindestens drei und höchstens sechs Bewohnern, die alle mindestens 18 Jahre alt sein müssen. Genießer sind gefragt, das heißt die WG-Mitglieder sollten den Württemberger Wein lieben, denn um ihn wird sich in der Württemberger WG ab Juli für ein halbes Jahr vieles drehen. Dann nämlich werden die Erlebnisse der WG im Zusammenhang mit Trollinger, Lemberger, Riesling und Co. in regelmäßigen Videoclips und Postings im Blog auf der Webseite von Trollinger 2.0 sowie auf den Facebook- und Instagram-Seiten von Trollinger 2.0 veröffentlicht.

„Wein ist in den jungen Zielgruppen zunehmend auch Ausdruck kultivierten Lifestyles geworden – diese neue, frische Weinkultur möchten wir mit dieser Aktion abbilden“ sagt Ulrich-M. Breutner, Vorstandssprecher der Werbegemeinschaft Württembergischer Weingärtnergenossenschaften. Der Kreativität der Teilnehmer sei dabei fast keine Grenze gesetzt.

Auf der Website www.wuerttembergerWG.de finden Interessierte alle Informationen zum Wettbewerb und der sich anschließenden Aktion. Bis zum 15. Juni haben die Teilnehmer Zeit, ihr Video zum Wettbewerb einzureichen. Im Anschluss können vom 20. bis zum 26. Juni Freunde und Fans online für ihren Favoriten abstimmen. Eine unabhängige Jury wählt dann die Sieger aus, die Kriterien sind Kreativität, Weinkultur, Glaubwürdigkeit und das Ergebnis des Publikums-Votings. Es geht, neben dem Spaß, um ein halbes Jahr mietfrei wohnen für die „Württemberger WG“, bis zu 1.500 Euro Miete werden monatlich von den Württemberger Weingärtnergenossenschaften übernommen.

Golf spielen & Wein genießen

Golfreisen und Weingenusstouren über die Grenzen in der Ferienregion Schwarzwald und ins benachbarte Elsass offeriert das zweisprachige Magazin „Golfurlaub 2016“.

Im neuen Golf-Magazin des VUD-Verlages in Zusammenarbeit mit der Schwarzwald Tourismus GmbH sind beiderseits des Oberrheins 40 Golfplätze in deutscher und französischer Sprache beschrieben. Golfer genießen beim Spiel die faszinierenden Ausblicke auf Bergpanoramen, Weinberge, Burgen und Schlösser – und an Loch 19 oder in einem der portraitierten Gasthäuser am Weg elsässischen oder badischen Wein. Das Hochglanzmagazin „Golfurlaub 2016“ gibt es bei der Schwarzwald Tourismus GmbH unter +49 761.896460 oder online: www.schwarzwald-tourismus.info.

Der Trend bleibt: trockene Weine weiter gefragt

Trockene Weine erfreuen sich hierzulande weiterhin immer größerer Beliebtheit. 46 Prozent aller heimischen Qualitäts- und Prädikatsweine wurden 2015 in der trockenen Geschmacksrichtung abgefüllt. Dies teilte das Deutsche Weininstitut (DWI) nach den Angaben der Qualitätsweinprüfstellen mit.

Gegenüber dem Vorjahr entspricht dieser Anteil einem Plus von zwei Prozent und im Vergleich zu 2005 einem Zuwachs von neun Prozent. Der Anteil der halbtrockenen Weine lag im vergangenen Jahr bei 23 Prozent und ist damit seit zehn Jahren relativ stabil.

Die Gesamtmenge von 132.000 qualitätsgeprüften Weinen mit einem Volumen 7,4 Mio. Hektolitern bewegt sich auf dem Niveau des Vorjahres. Sie unterteilt sich ebenfalls unverändert in 59 Prozent Weiß-, 30 Prozent Rot- und elf Prozent Roséwein.

Im Durchschnitt der Jahre wird rund 90 Prozent der jährlichen Weinerzeugung qualitätsgeprüft. Der verbleibende Anteil wird beispielsweise als Landwein vermarktet oder für die Sektbereitung verwendet.

Wie das DWI betont, müssen in Deutschland alle Qualitäts- und Prädikatsweine eine sensorische, analytische und bezeichnungsrechtliche Prüfung durchlaufen, bevor sie als solche in Verkehr gebracht werden dürfen. Erst wenn alle erforderlichen Bedingungen erfüllt sind, erhalten sie eine amtliche Prüfnummer (AP-Nr.), die auf dem Etikett anzugeben ist.

Der Großteil der Weine wird im Jahr nach der Ernte qualitätsgeprüft. Je nach Nachfrage und Lagerbestand bringen die Erzeuger ihre Weine auch bereits im Erntejahr, oder bei längerem Reifebedarf erst mehrere Jahre später auf den Markt.